EV.-LUTH. KIRCHENGEMEINDE AHRENSBURG
SCHLOSSKIRCHE
Gottesbuden
Peter Rantzau, Königlicher Amtmann von Flensburg und Besitzer des Gutes Troyburg (bei Tondern), hatte 1567 nach dem Tode seines Bruders, des Feldherrn Daniel Rantzau, dessen Besitzungen in Ahrensburg geerbt. Hier ließ er sich in den Jahren 1575 bis etwa 1595 ein neues prächtiges Herrenhaus erbauen. Als Ersatz für eine ältere kleine Kapelle ließ er auf dem Dorffriedhof 1594 bis 1596 eine neue Kirche errichten, die künftig auch als Grablege seiner Familie dienen sollte.

Zugleich mit der Kirche ließ er zur Unterbringung der Armen und Alten des Gutes an der Nord- und Südseite des Friedhofes zwei langgestreckte Reihen sogenannter "Gottesbuden" errichten. Die wurden im Osten und Westen mit der Friedhofsmauer zu einer geschlossenen Anlage verbunden.
Beim Ausbau der ehemaligen Bundesstraße 75, der heutigen Marktstraße, in den den 1840er Jahren, mußte jeweils die westlichste Bude abgebrochen und die Kirchenmauer hier zurückverlegt werden

Gottesbude Grundriss
Die Gottesbuden bestehen aus zwei Zeilen von heute jeweils 11 kleinen Wohnungen. Jede Wohnung hat einen Eingangsbereich, der zugleich als Küche dient,' und eine etwa 16 M2 große Stube. Die nördlichen Gottesbuden waren für Arme, alt gewordene Menschen bestimmt; jeweils zwei Personen teilten sich eine solche Wohnung. Sie bekamen nicht nur kostenlosen Wohnraum im Alter, denn durch ein Stiftungskapital war von Peter Rantzau auch eine für die damaligen Verhältnisse großzügige finanzielle Versorgung sichergestellt worden.

Die südliche Budenreihe war nicht -für die Armenversorgung bestimmt, sondern als Wohnraum, der zur damals "ortsüblichen Miete" von einem halben Taler vermietet wurde. Diese Einkünfte sollten zur Erhaltung der Kirche verwandt werden. Die Kirchengemeinde Ahrensburg hat die mietfreie Vergabe der nördlichen Buden bis heute beibehalten und kassiert nur ein Wohngeld, das die Nebenkosten wie Heizung und Wasser abdeckt. Sie hat die soziale Vergabe dieser Wohnungen auch auf die südlichen Buden ausgedehnt, da sie den ursprünglichen Mietsatz nie erhöhte und bis heute für diese Wohnungen wohl die landesweit niedrigste Miete von nur einem halben Taler - umgerechnet 1,50,-- DM - als symbolische Miete kassiert. Allerdings sind diese Wohnungen auf Kosten der Kirche modernisiert und mit Zentralheizung und sanitärer Ausstattung bis hin zu Waschmaschinen versehen worden.

Während in früheren Jahrhunderten soziale Versorgungsprobleme und Wohnprobleme mehr bei alten Menschen auftraten, ist in der Gegenwart oftmals die Notsituation jüngerer Menschen, die ihren Anschluß an das Erwerbsleben verloren haben, ein Anlaß für die Kirchengemeinde, ihnen das Wohnen in einer Gottesbude zu ermöglichen.

In einer der Gottesbuden wurde nach ihrer Errichtung auch eine Schule für die Kinder des Dorfes Woldenhom eingerichtet. Die Küster der Kirche hatten auch Aufgaben als Dorflehrer zu erfüllen. Sie wurden außerdem in späteren Zeiten dazu verpflichtet, mit den Bewohnern der Gottesbuden täglich eine Andacht zu halten.


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